28 Mein Jahr, die Branche & die Glaskugel für 2026

von | 7. Jan. 2026 | Einhorn und Glitzer

Zuletzt geändert am 26. Juni 2026

2025 war für die Community-Branche ein Jahr voller Wendepunkte: sinkendes Engagement, KI als Treiber von Veränderung und interne Communities, die nach Jahren im Hintergrund endlich strategische Sichtbarkeit bekommen. Gleichzeitig habe ich mir einen Traum erfüllt und ein Buch geschrieben, das zehn Jahre lang nur in meinem Kopf umkreiste. Dazu kamen ein brandneues Event für Community Builder und eine Weiterbildung, die mich in eine neue Welt hat abtauchen lassen. Stichwort KI Strategin und Trainerin.

Ein Rückblick auf 2025, vier Themen, die die Branche geprägt haben, ein Ausblick auf 2026 und meine Wunschliste für das Jahr.

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Shownotes

Mein Jahr startete turbulent: 21 Schulungen allein im Januar und Februar, sieben Wochen in München, zwischendurch Berlin. Dazu ein Interim-Mandat als Community Lead in einer Agentur, neun Monate lang, in denen ich gemeinsam mit dem Team Strukturen und Schwerpunkte entwickelt habe und die Leitung schließlich an jemanden aus dem Team übergeben konnte.

Inhaltlich war die Bandbreite groß. Eine interne Learning Journey zum Umgang mit Hate Speech: von persönlicher Resilienz über konkrete Unternehmensmaßnahmen bis zur Frage, warum Hate Speech wirtschaftlich und gesellschaftlich relevant ist. ChatBot-Trainings, bei denen es um Kommunikation, Übergaben vom Bot zum Menschen und das konkrete Arbeiten mit den Tools ging. Beratungen zum Aufbau von Corporate-Influencer-Programmen, KI-Botschafter-Communities und Alumni-Netzwerken an Hochschulen.

In manchen Monaten war ich nicht mehr als drei Tage am Stück in Köln. Das ist nicht für jeden etwas. Ich mag und brauche das.

Das Highlight des Jahres war aber eindeutig die Veröffentlichung meines Buchs: Community: Menschen befähigen. Potenziale entfalten. Transformation gestalten. Seit zehn Jahren hatte ich dieses Buch im Kopf. Wenn mir manche Leute nicht sprichwörtlich “den Schuh in den Hi….. getreten” hätten, gäbe es das Buch heute noch nicht. 

Es war ein Kraftakt! Und ich wollte das Manuskript mehr als einmal an die Wand klatschen. 1,5 Jahre Arbeit, 36 Gastautor:innen, Eigenverlag. Als es fertig war, ist erst einmal einiges von mir abgefallen. Der Stolz kam dann erst nach und nach.

Daneben habe ich die Community Glitz aus der Taufe gehoben, mein eigenes Event für Community Builder, denn eine Konferenz speziell für Community Management fehlt bislang. Und ich habe eine Weiterbildung als KI-Strategin und -Trainerin absolviert. Denn ich will KI nicht nur anwenden, sondern auch verstehen, was in diesen Modellen passiert. Wie treffen sie Entscheidungen? Wo sind die Grenzen?

2025: Vier Themen, die die Community-Branche geprägt haben

Wenn ich das Jahr 2025 aus Community-Sicht Revue passieren lasse, kristallisieren sich vier große Themen heraus.

Hate Speech bleibt das Dauerthema. Die Moderation wird zur Dauereskalationsstelle, sofern sie überhaupt vorhanden ist. Viele Unternehmen berühren ihre Kommentarspalten gar nicht. Und wenn sie etwas tun, dann höchstens um Kommentare zu löschen. Dabei sind Kommentarspalten einer der besten Orte für den echten Dialog mit Kund:innen und Bürger:innen. Diese Chance bleibt zu oft ungenutzt.

Das Engagement geht zurück. Nutzer:innen ziehen sich zurück in kleinere Kanäle oder ganz aus der öffentlichen Kommunikation. Die Gründe: Informationsüberflutung, politischer Stress, Hass im Netz. Die Studie „Lauter Hass leiser Rückzug“ zeigt, dass 57 % der Befragten sich seltener im Internet an politischen Meinungen und Diskussionen beteiligen. Aus Angst vor Hass. Dazu schwindendes Vertrauen: Wem kann ich noch glauben? Was ist echt, was ist Fake?

KI verändert Communities von zwei Seiten. Community Manager:innen nutzen KI in ihrer täglichen Arbeit, und auch Mitglieder greifen zunehmend darauf zurück. Wenn aber immer mehr Mitglieder ihre Beiträge von KI schreiben lassen, verschwindet das, was Communities ausmacht: die persönliche Note, der individuelle Tonfall. Externe Communities geraten unter Druck. Stack Overflow verzeichnet einen Rückgang von 44 % der Besuche in den USA und 38 % in Europa. Warum noch im Forum suchen, wenn ChatGPT sofort antwortet? Aber LLMs halluzinieren. Sie bilden schöne Sätze, liefern keine verifizierten Fakten. Und spezifisches Unternehmenswissen, das nur in den Köpfen von Mitarbeitenden existiert, können sie schlicht nicht kennen.

Interne Communities werden immer wichtiger. In vielen Unternehmen ist Umstrukturierung zum Dauerzustand geworden. Communities bieten hier den verlässlichen Anker, halten Vertrauen und Unternehmenskultur aufrecht. Die größten Themen 2025: Corporate Influencer, KI-Botschafter-Communities, Learning und Wissens-Communities sowie Alumni-Netzwerke an Hochschulen.

2026: Was das Jahr bringt und was ich mir wünsche

KI bleibt das dominierende Thema. Für Support-Communities wird es ein Jahr der Entscheidung: Wer keinen klaren USP hat, der über schnelle Problemlösung hinausgeht, wird es schwer haben. Fake News durch KI wird eine wachsende Herausforderung: KI-generierte Bilder und Videos werden immer schwieriger zu erkennen.

Was bleibt und sogar wichtiger wird: der vertrauensvolle Austausch auf Augenhöhe. In einer Welt voller KI-Content und generischer Texte wird die Frage entscheiden: Wem kann ich vertrauen? Communities bieten genau das. Menschen, die mit ihrem Namen für ihr Wissen einstehen.

Was sich verändern wird: Kleinere, intensivere Communities mit echten Verbindungen statt reiner Reichweite. Und endlich die Erkenntnis, dass es nicht (nur) auf die Plattform ankommt, sondern viel mehr auf Strategie und Kompetenz. Community ist kein Social Media und kein Marketing. Es braucht anderes Wissen und andere Maßnahmen.

Meine Wishlist für die Branche: Ressourcen für Community Management und Hate-Speech-Prävention, KI als echten Partner statt als Buzzword, realistische Erwartungen an interne Communities, weniger “wir starten mal eine Community” und mehr strategische Planung, und Moderation endlich als Kernkompetenz anerkennen und entsprechend schulen.

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